Bildwechsel 03
- Susann Mathis
- 16. Aug. 2025
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen

Seit 17. August zeigen wir wieder eine Arbeit von Werner Grund, die mutmaßlich bei einer gemeinsamen Reise mit Dieter Franck nach Südfrankreich entstanden ist. Grund arbeitet hier mit einer deutlichen Verdichtung der Formen im oberen Bilddrittel: Kleinteilige Kanten, Winkel und Farbfelder greifen ineinander, fast schon rhythmisch. Ab der Bildmitte öffnen sich die Pinselzüge in gestischen Schwüngen mit breiteren, fast „atmenden“ Strichen, der Duktus wird großzügiger. Oben Verdichtung, unten Auflockerung – das suggeriert sowohl eine Bewegung nach außen als auch räumliche Tiefe: Das tiefe, ungebrochene Blau in der oberen Bildzone lässt den Himmel des Mittelmeers erahnen. Dazu treten leuchtende Ziegel- und Ockertöne, die an Dächer denken lassen. Grünnuancen durchziehen vor allem den unteren und mittleren Bereich – hier kann man Korkeichen, Pinien, Rosmarin, Lavendel und Ginster assoziieren. Im gegenständlichen Modus lassen sich also Anklänge an eine Ortschaft am Hang erkennen: rote Dächer, helle Fassaden, ein möglicher Kirchturm auf einer Anhöhe, Baumformen mit dunklen Kronen. Doch diese Erkennbarkeiten sind flüchtig; Grund entzieht sie durch Überlagerungen, Richtungswechsel im Pinselstrich und das Fehlen klarer Konturen der Eindeutigkeit. Anders als bei der ersten Arbeit, die wir von Werner Grund gezeigt haben, ist die Abstraktion hier kein radikaler Bruch. Es ist das Ergebnis einer fortschreitenden Verdichtung, die Landschafts- und Ortsmotive zugleich bewahrt und auflöst. Das Motiv „Ortschaft / Landschaft“ bleibt noch erahnbar (Dächer, Bäume, Hang). Gleichzeitig sind Farbwahl und Kompositionslogik so stark verselbstständigt, dass das Bild auch rein als abstrakte Komposition funktioniert.




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