Bildwechsel 01
- Susann Mathis
- 23. März 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen

Vielleicht war mancher von unserer Wahl überrascht. Werner Grund, das bedeutet für viele Winterlandschaften, besonders Winteräcker, durch die Arbeit von Menschen strukturiert und rhythmisiert. Oder man denkt an seine Blumenwiesen – „Unendlichkeitslandschaften“, wie Barbara Riederer-Groh sie nennt. Oder an die gepflückten Blumen. Viele Sammlerinnen und Sammler haben mit einem Blumenstrauß von Werner Grund angefangen. Mit einem seiner unmittelbaren Blumenbuketts, die von der Bildwirkung so nah am Betrachter sind, dass sie förmlich in den Raum hineinleuchten.
Grunds Motive ordnen sich nicht in klar abgegrenzten Schaffensphasen. Vielmehr gibt es wiederkehrende Themen, die ihn sein Leben lang begleiteten – Hohenlohe, seine Kulturlandschaft, seine Pflanzen und Blumen. Dazu kommen immer wieder Impressionen aus seinen Reisen.
Der Übergang zum Abstrakten ist oft fließend. Strukturen, die an Moos, Flechten oder Pilze erinnern, werden zu Farbflächen und Mustern. Doch eine Zäsur gibt es: In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre übernimmt die abstrakte Malerei einen festen Platz in seiner Malerei, und zwar mit einer ganz eigenen Bildsprache.
Zu dieser Zäsur gehört das Bild, das wir im Rahmen dieser Installation zuerst zeigen.
Sein Künstlerkollege Alfred Jahnel schrieb 1980, also mehr als zehn Jahre, nachdem dieses Bild gemalt wurde: „... gegenständlich oder abstrakt. Dieses Grenzproblem interessiert ihn. Das gegenständliche wird abstrakt, das abstrakte kann gegenständlich gedeutet werden. Sobald der Künstler den Schleier des Abbildens zerreißt, gewinnt er Zugang zu den frischesten Quellen der Natur. Es gelingt ihm, das Getöse des Kosmos auf die Leinwand zu bannen. Auf den Bildern erscheinen, ohne ausdrücklich wiedergegeben zu sein, leuchtende Milchstraßen interstellarer Räume, ebenso wie das Schattenspiel schönen Laubwerks; das zarte Spiel der Wolken mit dem stummen Aufstieg der Sonne in einem leeren Himmel.“
1967 war ein Schlüsseljahr: Grund entwickelt in dieser Zeit seinen eigenen Zugang zur gestischen Malerei der Zeit, bleibt aber seinem eigenen, hochsensiblen Zugang zur Natur als Inspirationsquelle treu.
Barbara Riederer-Groh notierte: „Dass die Farbe bei Grund ausdrücklich Stimmungsträger ist, wird im Vergleich deutlich. Neben tonklaren, hellen Bildern finden sich in seinem Werk verhangene, dunkle. Schwer wirkende Farbverdichtungen, spröde, aber auch schillernde Oberflächen, die eingerissen und von Geäder durchzogen sind, bilden sich. Höhen und Tiefen sind ausschließlich durch die Farbe markiert. Manche Darstellungen zeigen Flammenformen und vibrierende Kreise, die wie ferne kosmische Nebel oder Nahaufnahmen ohne Tiefenschärfe erscheinen.“
Schauen wir nochmal hin: Schwarz dominiert das Bild. Davor lösen sich helle, fast leuchtende Formen aus der Dunkelheit. Weiß und Blau mischen sich mit erdigen Tönen und goldenen Akzenten. Die Oberfläche wirkt rau, fast zerklüftet, durchsetzt von feinen Strukturen – ein organisches Formenspiel. Das Bild scheint in Bewegung.
Es ist bewusst komponiert, ein konzentriertes Spiel aus Farbe, Struktur und Tiefe. Es erinnert an organische Prozesse – Wachstum, Auflösung, Bewegung in eine imaginäre Tiefe. Es fordert den Blick heraus, immer wieder neu hinzusehen.
„Bildwechsel“ ist ein Konzept, das Veränderung in sich trägt – langsam, stetig und mit dem Anspruch, jedes einzelne Werk bewusst zu betrachten. Anstatt eine große Werkschau zu präsentieren, zeigen wir immer nur ein einziges Werk. Dieses bleibt für eine begrenzte Zeit sichtbar, dann folgt ein Bildwechsel. Bildwechsel ist also wie Instagram - nur sehr, sehr langsam.
Die Ausstellung beginnt mit einem Bild, das Werner Grunds künstlerische Sprache auf den Punkt bringt. Danach zeigen wir an dieser Stelle eine Arbeit einer für Grund wichtigen künstlerischen Bezugsperson.




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